Bin ich jetzt eigentlich schon so “von gestern”, oder hat es die dsd-lobby tatsächlich geschafft, dass sich niemand mehr über den GrünenPunkt aufregt??? Nee, es gibt noch mehr Leute, die genauso “von gestern” sind. Ich zum Beispiel. Noe, aber was willst Du denn da noch machen. Man könnte ‘was dagegen machen, dass die damaligen Voraussetzungen für die Freistellung der Hersteller von der Entsorgungspflicht heute nicht aufgeweicht werden. Die Verpackungsverordnung sieht vor, dass die Mehrwegquote für Getränke mindestens 72 % zu betragen hat. Dank des von vielen als “umweltfreundlich” angesehenen grünen Punkts und der tollen Werbekampagnen für Getränkedosen (“Voll gut – leer auch gut”) ist aber mittlerweile dieser Prozentsatz unterschritten worden. Eigentlich müsst jetzt selbstverständlich ein Dosenpfand kommen. Herr Henkel vom BDI macht aber massiv Druck dagegen. (Übrigens ist das ‘mal wieder ein Beispiel dafür, wie hervorragend die Selbst- verpflichtungen der Industrie funktionieren. Aber angesichts der Lage bei den Beiträgen zur Zwangsarbeiterentschädigung hätte es dieses Beispiel eigentlich gar nicht mehr gebraucht.) Die Getränkewirtschaft kämpft gerade ziemlich heftig gegen Henkel: Wirtschaftsverbaende fordern Ruecktritt von BDI-Praesident Henkel Radolfzell (ots) – Wegen seiner nachdrücklichen Ablehnung des von der Umweltministerkonferenz geplanten Pflichtpfands auf Einweggetränkeverpackungen fordern der Bundesverband mittelständischer Privatbrauereien e. V., der Bundesverband des Deutschen Getränke-Fachgroßhandels e. V. und der Verband des Deutschen Getränke Einzelhandels e. V.: den sofortigen Rücktritt von BDI-Präsident Hans Olaf Henkel. Mit seinem starren “Nein” zum Pflichtpfand trete der BDI-Präsident einseitig für die Interessen der einwegorientierten Wirtschaftskreise ein und verrate die Belange tausender an Mehrweg hängender Abfüller, Handelsbetriebe und Zulieferunternehmen, die im Vertrauen auf die seit 1991 geltende Verpackungsverordnung Milliarden DM in ökologisch vorteilhafte Getränkemehrwegsysteme investiert hätten. “Der BDI-Präsident hätte in Sachen Verpackungsverordnung zumindest eine neutrale Haltung einnehmen müssen, wenn er schon nicht die eindeutige für die ökologische Überlegenheit von Mehrweg sprechenden neuen unabhängigen Ökobilanzen zur Kenntnis nehmen will”, unterstreicht Roland Demleitner, Geschäftsführer des Bundesverbandes mittelständischer Privatbrauereien e. V. Indem Henkel nunmehr vehement den Beschluss der Umweltministerkonferenz zur Bepfandung von Einweggetränkeverpackungen attackiere, nehme er bewusst die Vernichtung der bewährten Getränkemehrwegsysteme in Deutschland und damit den Verlust von 250.000 Arbeitsplätzen in Kauf. “BDI-Präsident Henkel täuscht im Übrigen wissentlich die Öffentlichkeit, wenn er behauptet, der Aufbau eines Rücknahmesystems für Einweggetränkeverpackungen bedeute für den Handel ein Investitionsvolumen von 4 Milliarden DM”, betont Günther Guder, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes des Deutschen Getränke-Fachgroßhandels e. V. Seriöse Berechnungen der Entsorgungswirtschaft und von den Automatenherstellern würden lediglich von einem Investitionsbedarf zwischen 594 und maximal 950 Millionen DM ausgehen. Der Bundesvorstand mittelständischer Privatbrauereien e. V., der Bundesverband des Deutschen Getränke-Fachgroßhandels e. V. und der Verband des Deutschen Getränke-Einzelhandels e.V., die sich seit Jahren nachdrücklich für die Bepfandungs- und Rücknahmepflicht für ökologisch nachteiliger Einweggetränkeverpackungen einsetzen und diese als effektives Instrument zur Mehrwegförderung ansehen, sprechen dem BDI folglich die Legitimation ab, in Sachen Verpackungsverordnung für die Wirtschaft aufzutreten. “Es zeigt sich immer mehr, dass BDI-Präsident Henkel ausschließlich die Interessen der großen Beitragszahler seiner Organisation vertritt und keine Sachpolitik mehr betreibt.”, so Wolfgang Brügel, Vorsitzender der Verbandes des Deutschen Getränke-Einzelhandels e. V. ots Originaltext: Jemand schrieb hier, das es schwer ist Kunststoffe zu trennen – ist richtig, aber immerhin sind wir heute soweit, dass praktisch alles gekennzeichnet ist – die Frage ist nur – wer liest die Kennzeichnungen – sicherlich nicht eine Maschine. Vielleicht die “freien” Müllsortierer auf den wilden outdoor Müllkippen in Indonesien, auf denen sonderbarerweise jede Menge Grüner-Punkt-Müll herumliegt.
Es gibt genug Punkte, die man aktiv angehen könnte. Eigentlich nicht. Das ist ja die Tragödie … Doch die gibt es – die Agrarsubventionen sind nur ein Punkt. Auch in der Steuer- und Sozialpolitik könnte man etwas tun und Subventionen sollte man generell besser auf ihren Nutzen untersuchen. Weil wir bei uns viel zu viele Bauern haben, die viel zu viel produzieren? Wir? Das ist ja grad der Treppenwitz. Kein westeuropäisches Land hat zu viele Bauern – wir haben uns nur zu sehr daran gewöhnt, das Lebensmittel billig (im wahrsten Sinne des Wortes) hergestellt werden. Wenn Du Dir die Agrarsubventionen genau anschaust, dann stellst Du fest, dass in Westeuropa praktisch nur Großbetriebe davon profitieren. Und wir diesen Bauern dann die Subventionen und damit in vielen Fällen die Existenz entziehen müssten? Dieses Argument gilt de facto nur für die Bauern der neuen Beitrittsländer – und auch für sie würde es nicht gelten, wenn die Westeuropäischen Bauern nicht so hoch subventioniert würden. Dann wären die Osteuropäer nämlich ganz gut konkurrenzfähig. Abgesehen davon sind Dauersubventionen a) nie gesund und b) was wäre schlimm, wenn sich einige Leute neu Jobs suchen müßten? Die Subventionen könnte man in zukunftsträchtigere Bereiche investieren und damit nachhaltig neue Arbeitsplätze schaffen – nur eben in anderen Bereichen, die sich dann nach einige Jahren selber tragen. tja, “besser die als wir”, ist die nachvollziehbare Denke … Nachvolziehabr schon, aber dann braucht man sich nicht über Flüchtlinge und Gegenmassnahmen zu beklagen. Ich will mich auch gar nicht an den Agrarsubventionen hochziehen, für das Elend in der 3. Welt gibt es viele Gründe. Aber es gibt auch Möglichkeiten dagegenzuwirken, und da fehlt mir die nachhaltige Denke. Es hat nichts mit “Idealen” oder “kämpfen” zu tun, sondern damit, daß das Hemd näher als die Hose sitzt … es geht um Interessen, nicht um Moral … Schon klar, ich bin sicher kein Freund davon, von heute auf Morgen einen Schalter umzulegen. Aber ohne
Hose steht man irgendwie auch blöd dar, also müßte das Ziel doch sein, beides anzuhaben – anstatt eines hübschen Hemdes und dann unten nackt. Eine nachhaltige Politik
verzichtet auf sprunghafte Wechsel, aber sie muss auch irgendwann mal angegangen werden.
